Von   20. September 2026
Berta …. (oder so 😉 )

Ein Bericht über einen Ku(h)len Sommer

Liebe Freunde des gepflegten Ku(h)len Lebens, hier spricht eure Berta. Ich habe meinen ganzen Sommer auf den vielen schönen Alpwiesen des Kleinwalsertals – genauer gesagt der Alpe Bärgunt – verbracht. Ach, war das herrlich … viel gutes Gras und gesunde Kräuter fressen, in der Sonne chillen, Zweibeinern beim – mehr oder weniger angestrengten – Vorbeiwandern zuschauen und ab und an auch mal als Fotomodell herhalten. Das Leben könnte schlechter sein.

Angefangen haben wir Mitte Juni, von da an ging es immer höher hinauf und irgendwann auch wieder hinab. Vor ein paar Tagen aber mussten wir uns dann alle auf einen gemeinsamen Weg machen, obwohl keine von uns eigentlich so richtig Lust hatte. Aber wir wussten schon, was los war: Unser Alpsommer neigt sich dem Ende zu. Das war uns spätestens dann klar, als wir alle uns an der Bärgunthütte versammelt haben. Am Morgen bekamen wir unsere kleinen Alpschellen abgenommen und große Schmuckschellen oder -glocken umgelegt – und spätestens da war uns allen klar, dass es jetzt wieder nach Hause geht.

Der Zweibeiner-Oberboss unserer Herde ist der Wolfgang und jemand, der so richtig Erfahrung hat. Es war heuer sein 37. Sommer als Meisterhirte – ein richtig ku(h)ler Typ, der weiß, was zu tun ist, damit es uns immer gut geht. Zusammen mit den Hirten Simon und Elias hat er sich prima um uns gekümmert.

Heute haben wir uns mit der versammelten Mannschaft von unserer Alpe auf den Weg gemacht. Pünktlich kurz nach 8 Uhr morgens ging es los – wir hatten ja schließlich eine Verabredung – und unser Weg ist lang. Anderthalb Stunden später hatten wir das „Straße-laufen“ hinter uns gebracht. Hey – ist das ein toller Empfang hier: So viele Leute, die uns sehen wollen, sogar Applaus gab es für uns. Und endlich wieder Wiese unter den Hufen ist schon was Feines, noch dazu so Taufrische. Das Laufen auf dem Asphalt macht uns zwar nichts aus, weil wir ja auch auf der Alp oft auf hartem Untergrund laufen, aber Wiese ist und bleibt was Feines.

Es muss schon ein tolles Bild gewesen sein, als unsere etwa 180 Tiere starke Herde auf der Walserstraße um die Kurve auf die Breitachbrücke einbog, Wolfgang mit Marion und den Hirten vornweg und von den vielen Helfern, ohne die es nun mal auch nicht geht, unterstützt. Das Video von unserem Ankommen könnt ihr hier sehen: https://www.facebook.com/reel/1490773152863325/?s=single_unit

Das einzige, was wir diesen Sommer leider nicht hatten, war ein Kranzrind. Das bin eigentlich ich – und es bedeutet, dass ich extra für diesen Tag besonders fein herausgeputzt werde, mit total schickem Blumenschmuck und so. Da trägt man als Kuh den Kopf nochmal so stolz in die Höhe, aber es gibt einen Grund, warum wir das in diesem Jahr nicht gemacht haben. Leider haben wir ein Tier unserer Herde durch einen Steinschlag verloren. Den Blumenschmuck darf ich aber nur tragen, wenn den ganzen Sommer lang bei Mensch UND Tier niemand zu Schaden gekommen ist. Wir haben jedenfalls heute ganz feste an unser Herdenmitglied gedacht, die hat ganz bestimmt von ihrer Regenbogenbrücke aus auch zugeschaut.

Jedenfalls sind wir dann pünktlich wie angemeldet auf unseren Scheidplatz – eine Wiese in Riezlern – eingetrabt. Was für ein Gewusel hier und auch ziemlich geschäftiges Treiben. Jetzt nehmen sie uns nämlich unsere großen und sehr wertvollen Schellen und Glocken wieder ab. Na ja, und dann werden wir unseren Bauern, jede dem eigenen, wieder zugeteilt. Unsere Hirten kennen uns ziemlich gut. Die müssen gar nicht auf die gelben Ohrmarken schauen – die wissen auch so, wer zu wem gehört. Für uns geht es jetzt nach und nach in die bereitstehenden Tiertransporter und das letzte Stück bis ganz nach Hause dürfen wir dann motorisiert zurücklegen.

Also Leute, ich muss dann los, mein Taxi steht bereit. Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr wieder, ich verbringe ganz bestimmt meinen Sommer wieder auf der Alp – oder wir sehen uns beim nächsten Viehscheid, wenn wir uns wieder in geballter Kraft und Schönheit auf den Weg machen.

Im „Taxi“ gehts in den heimischen Stall
abgelegte Schellen

Macht es gut bis dahin, wir wünschen Euch was – bis zum nächsten Sommer.

Eure Berta

Übrigens:

Meine Freunde von der Alpe Galtöde waren etwa 2 Stunden nach uns am Scheidplatz. Sie waren etwa genauso viele wie wir und mindestens genauso fesch. Die Lisa durfte die Herde anführen und war toll geschmückt – dort war der Sommer also gut und unfallfrei. Das ist doch super – oder???

Die „Lisa“

Viehscheid-Fact:

  • Viehscheid – oder auch Alpabtrieb – ist im Kleinwalsertal IMMER am 19.09. – ganz egal, was das für ein Wochentag ist.
  • Die großen Schellen sind zwar schwer, stören uns aber wenig. Wir haben ja sowieso den ganzen Sommer die kleineren Alpschellen um, damit uns unsere Hirten im Gelände leichter finden. Wer klimpert, kann auch leichter gefunden und gesehen werden. Das gehört einfach dazu.
  • Die großen Schmuckschellen und Glocken sind sehr wertvoll und werden deshalb auch nur zum Alpabtrieb angelegt. So ein Teil kostet richtig viel Geld und wird wie ein Schatz gehütet.
  • Dieses Jahr waren es nur 2 Alpen beim Viehscheid, sonst sind es auch mehr. Aber manche sind schon eher heim, denn Futter- und Wasserknappheit kann so einen Alpsommer schon mal verkürzen. Auch geschneit hat es schon manchmal zu unserem Termin, auch da gehen wir schon mal eher, weil wir nichts zu Futtern mehr finden oder es für uns zu gefährlich wird.
  • Beim Alpabtrieb sind nicht nur wir Kühe unterwegs, manchmal laufen bei uns auch noch Esel und / oder Pferde mit, nur dieses Jahr nicht. Schade eigentlich …
  • Beim sogenannten Scheiden werden wir alle wieder unserem jeweiligen Besitzer übergeben. Unsere Hirten kennen uns so gut, dass sie ganz genau wissen, zu wem wir gehören. Die brauchen nicht erst unseren Personalausweis zu lesen (die gelbe Ohrmarke), die wissen das auch so. Das ist klasse, stimmt’s?
Schellenparade